08.06.2021 | Berliner Verlag veröffentlicht selbstgeschriebenes Stück der Junior-Musical-AG Autor: Junior Musical AG

Große Freude bei der Junior-Musical-AG: Der Berliner Kinder-und Jugendtheaterverlag razzPENuto veröffentlicht das selbst geschriebene Stück „Graue Tage“.



Es war Mitte Dezember, unmittelbar vor dem Lockdown, als die Junior-Musical-AG von Jens Marnowsky ihr bisher letztes Theaterstück „Das brandneue Testament” unter Corona-Bedingungen in der Mensa aufgeführt hat. Seither konnte sich die AG nicht mehr treffen.Aus der Not machte AG-Leiter Jens Marnowsky kurzerhand eine Tugend und entwickelte zusammen mit den Schülerinnen ein neues Stück.


Herausgekommen ist eine hochaktuelle Auseinandersetzung mit globalen Themen dieser Zeit. Ein Stück, in dem das böse C-Wort Corona niemals ausgesprochen wird, aber über allem schwebt – so deutlich sind die Parallelen. Doch es geht auch um den Umgang mit dem Planeten Erde, um totalitäre Unterdrückung und um die Auflehnung dagegen.


Jens Marnowsky ist beeindruckt von den vielen Ideen der Schülerinnen, aber auch von ihrem Schreibtalent. In den Videokonferenzen entstanden die Ideen, geschrieben wurden die einzelnen Szenen dann von den Schülerinnen allein zuhause. Jens Marnowsky veränderte die Texte kaum, fügte sie aber so zusammen und ergänzte sie, dass aus ihnen ein komplettes Theaterstück wurde.

„Es zeigte sich das Bedürfnis der Schüler, die Gefühle zu Zeiten von Corona in Szenen zu spiegeln. Von daher ist das Stück ganz nah an den Schülern dran.Dass sich alles gefügt hat, war eine Mischung aus Zufall und offensichtlich ähnlichen Empfindungen zur Zeit“, sagt Marnowsky.


Für die Schülerinnen kam die Nachricht von der Veröffentlichung ihres Stückes vollkommen überraschend, entsprechend groß war die Freude. So erzählt Pia Glomme (Jahrgang 5), dass sie vor Freude erst mal durchs ganze Haus gerannt sei, um es allen zu erzählen. Bei der ganzen Gruppe schwingt Stolz und Freude mit, wenn sie über ihr Stück erzählt. Jantke Gerriets (Jahrgang 9): „Es ist wirklich eine unglaublich große Ehre, dass die ganze Geschichte so gut angekommen ist, obwohl das hier der erste Versuch war, so ein Stück entstehen zu lassen.“


Erst kürzlich hatte der Berliner Kinder-und Jugendtheaterverlag bereits ein Stück veröffentlicht, das die Musical-AG eigentlich im vergangenen Jahr aufführen wollte – „Hausmeister Oberon”, eine turbulente Komödie, geschrieben von Jens Marnowsky. Doch die Vielzahl der Rollen ließ eine Realisierung unter Corona-Bedingungen nicht zu.


Vor einigen Wochen durften sich die Schülerinnen erstmals wieder treffen. Seither proben sie auf dem Schulhof für ihr neues Stück. Die Aufführungen sollen vor den Herbstferien stattfinden und richten sich nach den dann geltenden Corona-Regeln. Denkbar, so Jens Marnowsky, seien auch Open-Air-Aufführungen auf dem Schulgelände. Eventuell könnte bis dahin aus dem Theaterstück auch ein Musical werden, wenn die Pandemie-Entwicklung und die Richtlinien es zulassen. Die Schülerinnen und Jens Marnowsky wünschen sich sehr, dass auch wieder gesungen werden darf. Die Songs dafür gibt es bereits, sie müssen nur noch eingefügt werden.




Äußerungen der beteiligten Schülerinnen:


Ihr habt gerade eben die Nachricht erhalten, dass das neue Stück der Junior-Musical-AG des Mariengymnasiums von dem Berliner Verlag „razzoPENuto” veröffentlicht wird. An diesem Stück wart Ihr maßgeblich als junge Autorinnen beteiligt. Wie habt Ihr reagiert, als Ihr von der geplanten Veröffentlichung erfahren habt?


Pia G.:Ich habe mich sehr gefreut und bin erst mal durch das ganze Haus gerannt, um es allen zu erzählen.


Jantke: Zuerst wusste ich gar nicht genau, was das jetzt heißt. Trotzdem ist das eine wirklich unglaublich große Ehre, dass die ganze Geschichte so gut angekommen ist, obwohl das hier der erste Versuch war, so ein Stück entstehen zu lassen.


Pia P.: Ich konnte es erst nicht glauben und habe mich mega gefreut.


Ihr habt dieses Stück geschrieben in einer Phase, in der sich die Junior-Musical-AGaufgrund der aktuellen Pandemie-Bestimmungen nicht treffen konnte. Habt Ihr die Corona-Pandemie in Eurem Stück thematisiert oder habt Ihr Euch ganz bewusst eine Geschichte ausgedacht, die damit nichts zu tun hat? Worum geht es in Eurem Stück?


Pia G.: Die Pandemie spielt eine Rolle in unserem Stück, denn wir haben tagtäglich damit zu tun. Wir haben sie nur gegen etwas anderes ausgetauscht, denn auch jetzt gerade ist sehr viel verboten, nur dass es hier keine Farben usw. sind, sondern sich mit Freunden treffen und noch vieles mehr.


Jantke: Wirklich absichtlich haben wir keine Bezüge zur Corona-Pandemie eingebaut, wobei man in die Stimmung und Situation im Stück einiges an Problemen und Gefühlen hinein interpretieren kann, was genau jetzt sehr verbreitet ist. Beispielhaft dafür sind die Einschränkungen von allem Möglichen, was man jetzt stark vermissen könnte. Im realen Leben sind es momentan vielleicht soziale Kontakte und im Stück eben Farben, Kreativität und Träume. Wobei der Weg, die Einschränkungen zu bekämpfen natürlich nicht derselbe sein sollte, wie im Stück :)


Habt Ihr, bevor Ihr angefangen habt zu schreiben, die komplette Geschichte schon im Kopf gehabt oder hat sich das erst im Laufe des Schreibens ergeben?


Pia G.: Es hat sich im Laufe des Schreibens ergeben, weil wir ja so viele Autorinnen sind und man nie wusste, was die anderen hinzufügen würden. Allerdings hat sich das Stück dann aufgrund der Summe aller Ideen sehr gut entwickelt.


Jantke: Es hat sich erst während des Schreibens beziehungsweise natürlich, als wir alle Ideen, die unabhängig voneinander entstanden sind, kombiniert haben, ergeben. Zu meiner Szene kann ich auch nicht sagen, dass ich den Verlauf schon vor dem Schreiben im Kopf hatte. Die Figur, die diese Szene ausmacht, allerdings sehr wohl. Ich habe angefangen, ihre Charakterzüge relativ genau so darzustellen, wie ich mir sie vorstelle, ohne überhaupt eine Art roten Faden in der Szene zu haben. Das hat sich dann so ergeben, wie es ist. Auch wer genau diese Person ist, hat sich erst zum Ende des Schreibens ergeben.


Milena: Als wir mit dem Stück begonnen haben, war noch sehr vieles unklar. Jeder hatte einfach seine Geschichte eingeschickt und es wurde im Laufe der Zeit ein richtiges Stück daraus.


Pia P.: Ich hatte meine ganz eigene Vorstellung, doch während wir dann die Geschichten zusammengestellt haben, kamen uns immer neue Ideen.


Wie würdet Ihr die Botschaft des Stückes beschreiben? Was soll uns das Stück sagen, worauf wollt Ihr aufmerksam machen?


Pia G.: Es soll darauf aufmerksam machen, dass man auch in dieser Zeit die Hoffnung nicht verlieren darf.


Jantke: Die große Botschaft des Stückes ist, so wie ich es wahrgenommen habe, dass man die gesellschaftliche Norm nicht immer über seine eigenen Überzeugungen stellen sollte, da diese nun mal nicht immer die Besten sind, obwohl die meisten hier in unserem Umfeld natürlich auszuhalten sind. Trotzdem sollte man – egal bei welcher absurden Idee – nie zu schüchtern sein, den Mund aufzumachen und versuchen, etwas zu ändern. Die Moral meiner geschriebenen Szene ist, glaube ich, relativ klar. Wir müssen unsere Umwelt ernster nehmen und diese Darstellung als Mensch, in den man sich noch einmal besser hineinversetzen kann, soll diesen Zustand noch einmal hautnah beschreiben.


Pia P.: Durch die Figur „Erde“ soll auch vor allem auf den Klimawandel aufmerksam gemacht werden. Doch es soll auch darum gehen, wie wichtig Zusammenhalt und Freundschaft sind. Außerdem kann im Leben nicht immer alles perfekt und farblos sein. Kinder müssen auch ihre eigene Welt haben dürfen.


Was könnte der Grund dafür sein, dass sich der Berliner Verlag dazu entschlossen hat, Euer Stück zu veröffentlichen?


Pia G.: Es passt zur Pandemie und außerdem ist dieses Stück, da es größtenteils von Kindern geschrieben wurde, ziemlich ansprechend für Kinder.


Jantke: Die Tatsache, dass wir Menschen Musik, Farben und Freiheit manchmal einfach brauchen, wird sonst meist nicht so stark thematisiert, wie hier. Vielleicht war das ein ausschlaggebender Grund. Was allerdings auch noch von Bedeutung sein könnte ist, dass das Stück eben von so jungen Autorinnen verfasst wurde, die noch nicht viel Erfahrung in dem Bereich haben. Dementsprechend könnte das nochmal etwas Besonderes sein.


Milena: Was der Grund sein könnte, weiß ich nicht genau. Vielleicht wurde das Stück angenommen, weil es etwas Anderes ist, etwas was es noch nicht oft oder noch gar nicht gab. Es könnte natürlich auch sein, dass dem Verlag die Story hinter dem Stück gefallen hat.


Pia P: Es ist etwas anderes und kreativ.


Auf einer Skala von 1 bis 10: Wie stolz seid Ihr auf Euer Stück und warum?


Pia G.: 10!!!!! Ich finde es sehr gut, weil es nur von Kindern geschrieben wurde und trotzdem eine gute Story dahinter steckt.


Jantke: 8/10. Ich bin unglaublich stolz darauf, dass ich eine Figur, die ich schon seit Jahren in meinem Kopf bei mir hatte, jetzt in dieser Form wirklich Gestalt annehmen zu lassen. Dennoch glaube ich, dass die Szene, wie sie jetzt ist, meinerseits noch ein paar Verbesserungen erhalten könnte. Das gesamte Stück bekommt von mir ein 9/10. Besonders für den ersten Versuch finde ich das super gelungen.


Milena: Ich bin ziemlich stolz, da wir in so kurzer Zeit ein Stück auf die Beine gestellt haben und das auch noch inder Corona-Zeit. Außerdem gefällt mir der Hintergrund des Stückes sehr gut, Ich würde also sagen ich bin „9,99“ stolz auf dieses Stück. Es wird zu einer „10“, wenn wir das Stück aufführen können und die Aufführung reibungslos verläuft und keine Unfälle passieren.


Pia P.: 9, da es von einem Verlag angenommen wurde.


Hat Euch das Schreiben Spaß gemacht? Könnt Ihr Euch vorstellen, auch in Zukunft weiter zu schreiben?


Jantke: Definitiv. Es macht einfach unglaublich Spaß Geschichten zu kreieren, kleine Botschaften zu verstecken, die vielleicht gar nicht beim ersten Lesen oder Sehen auffallen und mit neuen aufkommenden Ideen und Gedanken immer wieder zu perfektionieren.


Pia G., Pia P., Milena: Auf jeden Fall!


Herr Marnowsky, die Junior-Musical-AG ist normalerweise eine AG für jüngere Schüler*innen, die Stücke aufführt, aber sie nicht selbst schreibt. Warum ist das diesmal anders?


Herr Marnowsky: Wir brauchten eine sinnvolle Aufgabe im Lockdown, als wir uns nicht treffen durften; und da es noch kein neues Stück gab, beschlossen wir, kreativ zu werden. Es zeigte sich das Bedürfnis der Schüler, die Gefühle zu Zeiten von Corona in Szenen zu spiegeln. Von daher ist das Stück ganz nah an den Schülern dran.


Nun kam ja das neue Stück unter Pandemie-Bedingungen ausschließlich online zustande. Das bedeutete, dass jede junge Autorin zuhause alleine geschrieben hat. War es schwierig, alles zu einem harmonischen Ganzen zusammenzufügen? Wie waren die einzelnen Arbeitsschritte?


Herr Marnowsky: Erst sollten es nur einzelne Szenen zu einem Thema werden, dann kamen zufällig einige Szenen von Schülern zu mir, bei deren Zusammenschau sich eine mögliche Geschichte abzeichnete. Die Schüler haben den Plot dann skizziert, und ich habe die verbindenden Szenen dazugeschrieben.


Für Sie selbst war das gemeinsame Entwickeln eines Theaterstücks auch Neuland. Wie bewerten Sie dieses Projekt, gab es etwas, das Sie besonders überrascht hat?


Herr Marnowsky: Dass sich alles gefügt hat, war eine Mischung aus Zufall und offensichtlich ähnlichen Empfindungen zur Zeit.


Wie ist der Kontakt zum Berliner „razzoPENuto"-Verlag zustande gekommen? Hat Sie das Interesse an dem Stück überrascht?


Herr Marnowsky: Ich habe letztes Jahr ein Stück, das wir wegen Corona abbrechen mussten, dort eingereicht, und es wurde genommen; es erscheint gerade. Die bisher letzte Aufführung der Junior-Musical-AG „Das brandneue Testament" hat es im vergangenen Dezember unmittelbar vor dem Lockdown gegeben. Damals war es eine der wenigen, vielleicht sogar die einzige Aufführung, die in dieser Region überhaupt noch stattgefunden hat.


Wie war es möglich, ein Theaterstück während einer Pandemie unter Pandemie-Bedingungen auf die Bühne zu bringen?


Herr Marnowsky: Nur, indem man bei der Stückwahl, der Inszenierung und der räumlichen Situation die hygienischen Notwendigkeiten stets mit einplant.


Wie, wann und wo soll Ihr neues Stück aufgeführt werden?


Herr Marnowsky: Um die Herbstferien herum, je nach Lage der Dinge im Mariengymnasium.