10.05.2021 | Dorit Linke im Mariengymnasium Autor: Tamia Müller, Meike Achterberg (10a)

»Viel zu Hollywood« – Eine Autorenlesung mit Dorit Linke




»Nüchtern und detailgenau geschrieben, entwickelt die Geschichte ihren Sog, scheint unfassbar, wüsste man nicht, dass mehr als 5000 DDR-Bürger Ähnliches versucht haben« – Katrin Rüge


Kinder-und Jugendbuch-Autorin Dorit Linke (geb.1971) verfasste im Jahr 2014 »Jenseits der blauen Grenze«, welches im Jahr 2015 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert wurde. Das Buch beschäftigt sich mit der damaligen DDR-Diktatur, sowie der Flucht zweier Jugendlicher quer über die Ostsee.


Die Geschichte handelt vom August 1989 in der Zeit der DDR. Protagonisten Hannah und Andreas geraten in das Visier der damaligen Staatsmacht und müssen von nun an Zukunftspläne, wie Studium und Berufswusch, begraben. Sie werden Willkür, Zweifel und vor allem Misstrauen ausgesetzt, was sie dazu verleitet, den Weg der Flucht auf sich zu nehmen. 50 Kilometer Wasser liegen fort an zwischen ihnen und dem selbstbestimmten Leben – nur ein dünnes Seil, über welches sie an den Händen verbunden sind, rettet sie vor der absoluten Einsamkeit.


25. März 2021 – Endlich war es soweit, Dorit Linke besuchte die Online-Klassenzimmer unseres 10. Jahrgangs. Die Schüler*Innen und Lehrer waren gespannt.


Angefangen mit einer flotten Vorstellung, verfolgte Frau Linke schnell den Weg der Aufklärung. »1941-89 sind ca. 1000 Menschen über die Ostsee geflohen, 200 davon sind geschwommen«, erklärte sie den Anwesenden anhand von Bildern. Nachfolgend begann Frau Linke mit einer selbstbewussten Lesung aus ihrem Roman, an die sich eine Fragerunde anschloss.


»Sind auch Sie geflohen?«, war die erste Frage der Runde, auf welche Frau Linke souverän antwortete, dass sie nicht geflohen sei und auch keinen Grund dafür gesehen habe. Sie habe eine schöne Kindheit gehabt. Trotz allem aber ging sie später jeden Donnerstag zu Demonstrationen (Anfang-Mitte Oktober, Rostock 1989), da sie von der Gemeinschaft und Friedlichkeit der Demonstrationen beeindruckt war und sich dem brutalen System entgegen stellen wollte.


Den Mauerfall? Den hatte Sie gar nicht richtig wahrgenommen, erzählte Frau Linke nach einer weiteren Frage. Sie dachte der Fall wäre nur ein Gerücht und totaler Quatsch. Später als ihr dann klar wurde, dass es kein Gerücht war, konnte sie es kaum glauben.


Nach einer weiteren Lesung aus ihrem Roman zeigte Dorit Linke den Schüler*innen und Lehrern Bilder von Roland Hartig (Gewaltfrei für Demokratie), um hinterher eine zweite Fragerunde zu starten.


Das Buch basiert nicht auf einer wahren Begebenheit, die Handlungen im Buch sind erfunden. Doch wieso? Was waren die Beweggründe der Autorin? Frau Linke wuchs an der Ostsee auf und war eine lange Zeit Rettungsschwimmerin am Strand. So war es zu erwarten, dass sie oftmals gescheiterte Fluchtversuche beobachtete. Dies ging ihr nahe. »Warum beschreiben Sie im Buch eine Flucht über die Ostsee?«, fragte ein Schüler. Frau Linke: »Ich entschied mich für die Flucht durchs Wasser, da mir damals die grüne Grenze eher unbekannt war« .Und die letzte Frage des Tages: »Warum entschieden Sie sich gegen ein Happy End?« »Wäre am Ende ein Happy End, wäre das Buch viel zu Hollywood.«, so Linke.


Beendet wurde die Lesung mit einem kleinen Quiz, an welchem die Schüler*Innen des Gymnasiums viel Spaß hatten.


Das Mariengymnasium Jever bedankt sich vielmals für den Besuch und heißt Frau Linke jederzeit wieder willkommen.


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