08.05.2019 | Bundesverdienstkreuz für Hartmut Peters Autor: M.Baurmann

Große Verwirrung entstand im Bundespräsidialamt, als mit einem Mal zwei Vorschläge, einen Bürger mit dem Bundesverdienstkreuz auszuzeichnen, eintrafen, wollten doch beide Anträge die gleiche Person ausgezeichnet wissen: Hartmut Peters, der als Lehrer des Mariengymnasiums unsere Schule geprägt, das Geschichtsbewusstsein in Friesland verändert und insbesondere mit seinen Forschungsprojekten zur Lebensgeschichte von Juden in Jever auch über die Landesgrenzen hinweg Aufmerksamkeit erreicht hat.


Den 70. Geburtstag von Herrn Peters hatten dann tatsächlich auch gleich zwei Gruppen unabhängig voneinander zum Anlass genommen, ihn für die Ehrung durch das Bundesverdienstkreuz vorzuschlagen und mochte die anfängliche Verwirrung im Amt des Bundespräsidenten auch groß gewesen sein, es wurde zur Freude aller, die das kulturelle und geschichtliche Engagement von Herrn Peters verfolgt haben, entschieden, ihn mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland auszuzeichnen.


Die Aushändigung erfolgte am 7.Mai im Rathaus der Stadt Wilhelmshaven, als Heimatgemeinde von Herrn Peters. Begrüßt wurden die Gäste zunächst durch das Blues-Duo Iko Andrae (Kontrabass, Gesang) und Eckhard Harjes (Gitarre, Gesang). Beide hatten bereits zu Schulzeiten Herrn Peters in seinen Projekten unterstützt und trugen mit sehr persönlichen Beiträgen dazu bei, dass das, was gerne als musikalisches Rahmenprogramm bezeichnet wird, einen zentralen Platz in der Veranstaltung fand.



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Hartmut Peters, Sven Ambrosy, Andreas Wagner

Als Gastgeber der Ehrungsfeier richtete zunächst der Oberbürgermeister von Wilhelmshaven, Andreas Wagner, einige Worte an die Anwesenden. Danach hielt Landrat Sven Ambrosy die Laudatio, in der er hervorhob, mit welchem Engagement aber auch mit welchem Geschick es Hartmut Peters erreichte, dass die Schulbibliothek des Mariengymnasiums mit ihrem historischen Bestand von zum Teil überaus seltenen Büchern, erhalten werden konnte und sich heute in angemessener Form präsentiert. Herr Ambrosy würdigte aber auch das zweite große Projekt von Herrn Peters: Die Erforschung der Lebensgeschichte der Juden in Jever, die von den Nationalsozialisten vertrieben und ermordet worden waren. Dieses Engagement, das in Form von Projektarbeiten mit Schülerinnen und Schülern begonnen und eine stetige Forschungstätigkeit Peters' ausgelöst hatte, hat inzwischen im Gröschlerhaus (Jever) eine feste Adresse gefunden.


Mit einem Grußwort bedankten sich Frau Dr. Anja Belemann-Smit (im Namen der Schulbibliothek) und Frau Prof. Dr. Stefanie Stockhorst (Universität Potsdam) bei Herrn Peters


Sehr bewegend wurde die Rede von Herrn Prof. Dr. Bob Löwenberg, der aus den Niederlanden angereist war. Herr Löwenberg ist ein Enkel von Hermann und Änne Gröschler, die als Jeveraner Bürger der Verfolgung durch die Nationalsozialisten ausgesetzt waren. Hermann Gröschler starb im Konzentrationslager Bergen-Belsen, sein Bruder Julius und dessen Frau Hedwig wurden in Auschwitz-Birkenau umgebracht. Herr Löwenberg sprach im Namen seiner Familie und dankte Herrn Peters dafür, dass er als junger Lehrer mit seinen damaligen Schülerinnen und Schülern den Kontakt zur Familie gesucht hatte. Aus Herrn Löwenbergs Worten ging hervor, dass Herr Peters damals einen Impuls geben konnte, dass die Familie die Kraft fassen konnte, sich wieder mit ihrer Heimatstadt Jever auseinanderzusetzen.


Das Schlusswort gebührte selbstverständlich dem Geehrten selbst, der sich dazu verpflichtet fühlte, darauf hinzuweisen, dass beide Projekte nur gelingen konnten, weil ihm viele Menschen engagiert geholfen hätten. Schließlich, so fügte Herr Peters an, sei er Hartmut und nicht Herkules. Nun, wer ein Bundesverdienstkreuz erhält, dem sollte man nicht widersprechen. Und doch, in Anblick der – zugegebenermaßen von vielen – geleisteten Herkulesaufgaben: Es war Hartmut Peters der vermitteln konnte, dass es möglich ist, sie zu vollbringen, und auch in diesem Sinne war es eine schöne Feier, bei der so viele Menschen zusammengekommen waren, die sich von Herrn Peters Energie haben anstecken lassen.



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Heidrun Peters, Andreas Wagner, Hartmut Peters, Sven Ambrosy