27.01.2021 | Kein großer Saal, aber trotzdem ganz großes Kino Autor: Ralf Boës

Auch das Schülersymposium des Mariengymnasiums wurde in diesem Jahr nicht von der Pandemie verschont. Wer den Begriff noch nie gehört hat – auf dem Schülersymposium stellen Freiwillige aus den Seminarfächern der Q2 einige der besten Facharbeiten dieses Durchgangs vor, um diese dann im Anschluss mit Schüler*innen der Oberstufe zu diskutieren. Normalerweise findet dies im Theater am Dannhalm statt, da dies aber aus offensichtlichen Gründen in diesem Jahr nicht möglich war, wurde die Veranstaltung kurzerhand komplett in digitale Sphären verlegt.

So nutzten die Präsentierenden das IServ-Videokonferenzmodul, um Ihre vorbereiteten Präsentationen innerhalb von zwanzig bis dreißig Minuten zu halten. Im Anschluss reagierten sie auf Fragen und Diskussionsbeiträge, die über den Chat durch die Zuschauer*innen eingegeben werden mussten. Die Präsentierenden zeigten sich dabei so flexibel und redegewandt, dass gar nicht weiter auffiel, dass ein solches Diskussionsformat nicht die selbe Lebendigkeit hat wie ein direkter diskursiver Austausch.

Den Auftakt machten Tom Bender und Jonas Evers, die sich hochaktuell mit „Verschwörungstheorien im Antisemitismus und in der Corona-Skeptiker-Bewegung“ beschäftigt hatten. Eindrucksvoll verdeutlichten sie, welche Muster bei genauerer Betrachtung deutlich werden, und warum diese Theorien doch immer wieder auf fruchtbaren Boden fallen und deshalb so gefährlich sind.

Antisemitismus spielte auch bei Tammo Potthasts Vortrag zur "Indoktrination durch Pseudowissenschaften am Beispiel von Jakob Grafs Lehrbuch 'Biologie für Oberschule und Gymnasium' (1940)" eine nicht unerhebliche Rolle. Er konnte eindrücklich nachweisen, wie Schulbücher im Dritten Reich dazu instrumentalisiert wurden, die Schüler*innen mit völkischem Gedankengut ohne wissenschaftliche Grundlage in Berührung zu bringen.

Am zweiten Symposiumstag wandte sich Selina Sievers in ihrer Arbeit „Wie wirkt sich der Langzeitkonsum von Alkohol auf die motorische Entwicklung aus?“ Deutschlands beliebtester Volksdroge und deren katastrophalen Konsequenzen für die Gesundheit zu. Besonders in Erinnerung werden Ihre Berichte von ihrem Besuch in der Psychiatrie bleiben, wo sie mit alkoholabhängigen Menschen gesprochen hat. Auch an einem Treffen der „Anonymen Alkoholiker“ nahm sie teil, wodurch es ihr gelang, ihr Thema äußerst lebensnah und unmittelbar nachvollziehbar zu vermitteln.

Den Abschluss machte Kareshan Mayurathan, der sich vorgenommen hatte, Fantasy und Wissenschaft miteinander zu verknüpfen. So nahm er sich in „Die Stoffwechselkrankheit Porphyrie - Eine Erklärung für den europäischen Vampiraberglauben?” den alten, aber immer noch populären Mythos der blutsaugenden Untoten vor und überprüfte, ob dieser aus moderner Sicht als medizinisches Phänomen erklärbar sei. Sein Ergebnis war hierbei durchaus ambivalent, da das Krankheitsbild der Porphyrie durchaus einige, aber bei weitem nicht alle Aspekte des Vampirglaubens erklären konnten. Es bleibt also noch Raum für Fantasie.

Alle Präsentierenden waren herausragende Beispiele dafür, wie man sich eine interessante Fragestellung sucht, der man dann mittels einer umfangreichen wissenschaftlichen Recherche auf den Grund geht. Dies ist natürlich in erster Linie eine großartige Einzelleistung. Erwähnt werden soll in diesem Zusammenhang aber auch die Betreuung durch die Seminarfachlehrer*innen Herrn Dr. Baurmann, Frau Dr. Belemann-Smit, Herrn Dr. Gärtner, Herrn Dr. Hammer und Frau Dr. Möller, welche durch ihre Vorbereitung und Unterstützung diese Ergebnisse erst möglich machten.
Es bleibt zu hoffen, dass wir im Jahr 2022 das Symposium wieder in der gewohnten Form abhalten können – solange es aber auf diesem Niveau stattfindet, erscheint die Frage nach analog oder digital eher nebensächlich.