22.01.2021 | Kerstin Land im Zeitzeugengespräch: Flucht aus der DDR – Land in Sicht Autor: Klasse 10a

Wir, die Klasse 10a, behandeln im Deutschunterricht das Buch »Jenseits der blauen Grenze« von Dorit Linke. In diesem geht es um einen tragischen Fluchtversuch aus der DDR. Damit zusammenhängend hatten wir am 9.12.2020 ein Gespräch mit Frau Kerstin Land, in welchem sie uns von ihrer Schulzeit, ihrem Studentenleben in Leipzig – und ihrer Flucht aus der DDR – erzählte.

Bereits nach kurzer Zeit wurde uns allen klar, wie sehr sich das Leben in der DDR von unserem Leben heute unterscheidet. Frau Land berichtete über ein völlig anderes Verständnis von Gesellschaft und Wirtschaft. So war nicht nur das gesellschaftliche Leben grundlegend anders als das heutige, sondern auch die Besitzverhältnisse: „Volkseigentum und kein Privatbesitz an Produktionsmitteln“. So hatten zum Beispiel nur wenige Familien eine Waschmaschine, und auf ein Auto musste man nach Antragstellung sehr lange warten. Statt Heizungswärme musste der Ofen zu Hause von den Kindern in der ersten Schulpause eingeheizt werden, damit die Wohnung nicht auskühlte.

Ein deutlicher Unterschied zur BRD bestand in der Gleichberechtigung der Frauen. Jede Frau ging arbeiten und das überwiegend in Vollzeit. Da sie aber trotzdem den Haushalt führten, hatten sie das Recht auf einen Haushaltstag im Monat.

Frau Land erwähnte zudem, dass es erschreckend realitätsnah sei, wie die hinterhältigen und perfiden Methoden der STASI heutzutage in Erzählungen oder auch Dokumentationen dargestellt werden.

Sie musste die Auswirkungen am eigenen Leib erfahren:

Schon kleine Verstöße – wie z.B. das Hinterfragen vorgegebener Unterrichtsinhalte – konnten das Leben grundlegend verändern. Man wurde beobachtet, verhört und sogar durch informelle Mitarbeiter verfolgt. So war ein solches Verhalten in Frau Lands Studentenzeit zusammen mit ihrem Engagement in der „Jungen Gemeinde“ – einer christlichen Jugendorganisation mit demokratisch-freiheitlichen Werten – der Grund, warum die STASI auf sie aufmerksam wurde. Die zunehmende Überwachung und somit der steigende Druck waren letztendlich der Grund für die Flucht aus der DDR.
Diese wurde von einem Schleuser aus dem Westen organisiert, sodass Frau Land zusammen mit ihrem damaligen Freund Günter im Kofferraum eines afrikanischen Diplomaten in die BRD geflohen ist.

Zum Schluss möchten wir die Gelegenheit nutzen, um einen kleinen Appell von Frau Land an euch alle zu richten: “Verteidigt eure Meinung! Passt euch nicht immer nur an und erachtet die Freiheit nicht als selbstverständlich!”

Wir danken Frau Bartke für die Organisation dieser Veranstaltung und ganz besonders Frau Land für diesen ausführlichen Einblick in ein Land, welches hinter dem Eisernen Vorhang lag.